Zweifel reloaded

Liebster Blog,

es wird allerhöchste Zeit für mich, meinen Kopf mal wieder richtig zu entleeren. Der Verlobte hatte die letzten 2 Wochen frei, deshalb waren die Einträge in letzter Zeit etwas spärlich gesäht. Bisher hatte ich ihm nichts vom Blog erzählt, aus Angst, er könnte ihn lesen. Ich teile hier alle meine innersten Gedanken, Ängste und Zweifel, und ich möchte nicht, dass er mitliest. Nachdem er aber heute eine Verabredung abgesagt hat, blieb mir nichts anderes übrig, als es ihm zu erzählen. Ich hoffe, er versucht jetzt nicht heimlich, ihn zu finden. Aber ich habe das Gefühl, mein Kopf platzt gleich, weshalb dieser Eintrag wohl entsprechend lang wird.

Zuerst einmal: Ich bin natürlich nicht schwanger. Freitag bekam ich dann doch noch meine Tage. Und wieder war die Enttäuschung groß. Wir waren dann beim Einkaufen, und der leere Kindersitz des Einkaufswagen klappte mir vorwurfsvoll und höhnisch entgegen. Wieder einmal konnte ich nicht weinen, und ich traute mich auch nicht, mit dem Verlobten offen über meine Enttäuschung zu sprechen. Er hat ja Recht, ich sollte aufhören, mir so einen Druck zu machen. Aber irgendwie kann ich nicht anders. Und er sagt mir auch immer wieder, dass die Enttäuschung dann immer größer wird, wenn ich nicht aufhöre, ständig darüber nachzudenken.

Aber ich sehe überall Babys, und ich bin so neidisch und sehnsüchtig. Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass ich mich von meinem Job verabschieden musste. Der einzige Gedanke, der diesen Abschied erträglich machte, war die Aussicht auf ein eigenes kleines Baby.

Das Positive ist, dass sich mein Zyklus jetzt scheinbar eingespielt hat und mein Körper endlich mit der Hormonumstellung klarzukommen scheint. Ich habe viel weniger Pickel, die Blutung ist weniger stark und ich habe kaum noch PMS. Was wahrscheinlich auch so große Hoffnungen in mir geweckt hat, da ich das nicht gewohnt bin. Sonst fiel ich immer einmal im Monat ins totale Depriloch, bevor ich meine Tage bekam. Diesmal nicht. Auch sonst hatte ich – bis auf das Frieren und den Kreislauf – kaum Beschwerden. Also, vielleicht hat er diese Zeit einfach gebraucht. Vielleicht musste er erstmal mit sich selber klar kommen, bevor er bereit war, „jemanden einzulassen“.

Desweiteren muss ich einfach aufhören, jetzt schon wieder alles zu zerdenken. Einfach normal weiter leben, so, als würde ich auf nichts warten. Normale Klamotten kaufen, weiter arbeiten und auf mich achten. Aber nicht zu sehr, damit ich nicht wieder aus jeder Mücke einen Elefanten mache.. Klingt einfach. Ist es aber ganz und gar nicht. Aber einen Versuch ist es wert.

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Die üblichen Zweifel sind auch plötzlich wieder da. Die Zeit, die der Verlobte jetzt zu Hause war, haben sie ausgelöst. Ich frage mich immernoch manchmal insgeheim, ob er der Richtige ist. Die meiste Zeit sind wir ganz gut miteinander klargekommen, aber es gab schon immer wieder überflüssige Konflikte. Und dann hatte ich heute natürlich wieder einen Traum vom Ex.

Einerseits liegt es an seinem Wesen. Er ist ein Schütze, d. h. er ist oft aufbrausend, und flippt wegen Kleinigkeiten aus. So schnell, wie der Zorn kam, ist er dann zwar auch meistens wieder vorbei, aber er braucht seine Zeit um wieder runterzukommen. Im Grunde seines Herzens ist er treu, liebevoll und auch sensibel. Doch nach außen hin kann er schon oft ein ganz schöner Arsch sein, weil er einfach sehr oft unbedacht handelt. Er redet nicht gern über seine Gefühle oder Gedanken – meistens gar nicht. Und je mehr man ihn bedrängt, desto mehr macht er dicht.

Dann kommt noch dazu, dass er nicht bereit ist, sich selbst zu reflektieren. Was bei mir dank vieler Jahre Therapie allerdings schon in Fleisch und Blut übergegangen ist.

UND er ist ein Workaholic. Er tut sich wahnsinnig schwer, mal Ruhe zu geben und zu entspannen. Deshalb haben wir auch wieder fast den ganzen Urlaub damit zugebracht, im Haus zu renovieren. Im oberen Stockwerk wurden die Böden im Schlafzimmer und Flur erneuert. Außerdem neu gestrichen. Das beinhaltete einige Baumarktbesuche – ich habe schon gesagt, wir verbringen die Urlaube zur Hälfte im Baumarkt. -.-

Wenn mal nichts zu tun war, bzw. er ausgebremst wurde von Feiertagen, war er unruhig und unzufrieden. Er weiß einfach nichts mit sich anzufangen, wenn er nicht arbeitet. Und darunter habe dann ich zu leiden. Schöne gemeinsame Aktivitäten als Paar? Fehlanzeige. Zeitverschwendung. Zu teuer. Wir haben doch was besseres zu tun. Ich bin „faul und komme nicht in die Puschen“. Ich glaube, oft ist es auch der Neid zu sehen, dass ich mich auch ohne Arbeit beschäftigen und auslasten kann. Und gleichzeitig Unverständnis, dass ich einfach erschöpft bin, wenn ich gearbeitet habe. ER ist ja NIE erschöpft und bei dem bisschen was ich arbeite, erst recht nicht.

Es ist einfach anstrengend. Deshalb bin ich froh, wenn der Alltag ab morgen wieder los geht. Gleichzeitig kommen wieder die Zweifel.

Muss das denn so sein? Sollte es so sein? Aus früheren Beziehungen weiß ich: Nein. Es muss nicht so sein. Und manchmal frage ich mich auch, ob das auf Dauer gut ist. Ist es gut, wenn man sich nur versteht wenn man sich wenig sieht? Wenn der Alltag zwar funktioniert, aber man in der Freizeit nicht miteinander klarkommt?

Aber was für andere Optionen habe ich? Nüchtern gesehen, keine. Ich werde im März 30. Ich will ein Kind, ich will heiraten, in einem Haus wohnen und mich um Mann und Familie kümmern. Andere Leute haben so eine Ehe ihr ganzes Leben lang geführt. Meine Mutter hat uns quasi auch allein großgezogen, denn mein Vater war ein noch schlimmeres Arbeitstier als der Verlobte. Und sie hat es geschafft. Und es ist was aus uns geworden. Und er hat ja auch gute Seiten. Wir haben es ja auch schön miteinander. Ich will jedenfalls jetzt nicht wieder alles hinschmeißen und von vorne anfangen.

Und doch: Ich vermisse etwas. Ich vermisse dieses Gefühl, diese zärtliche Liebe, dieses Herzhüpfen, jedes Mal, wenn ich den Partner sehe. Das Gefühl, den anderen jeden Tag mehr zu lieben. Das alles hatte ich beim Ex. Das sichere Gefühl, wir könnten ALLES miteinander durchstehen. Einfach, weil die Liebe so stark ist. Ich denke, deshalb träume ich auch immernoch von ihm. Ein Stück von mir hat diese Liebe für alle Zeiten gespeichert. Einfach, weil sie bedingungslos war. Unter der ganzen Trauer, dem Schmerz, den negativen Gefühlen, wird er irgendwie immer in meinem Herz bleiben. Das klingt megakitschig, ich weiß. Aber es ist so.

Ich wusste von Anfang an, dass mit dem Verlobten nie so sein würde. Ich weiß auch nicht, ob ich in der Lage wäre, jemals wieder so für einen Menschen zu empfinden. Schon allein aus Angst, wieder enttäuscht zu werden. Deshalb gebe ich mich zufrieden, mit dem, wie es ist. Die innere Uhr tickt. Und es ist ja nicht so, als würde ich ihn NICHT lieben. Nur eben anders. Ich habe mal mit meiner besten Freundin über diese Gefühle gesprochen. Sie meinte, dass es vielleicht so ist, dass man jeden Menschen anders liebt. Einfach, weil jeder Mensch anders ist. Ich habe mir eingeredet, dass sie Recht hat. Ich liebe ihn eben anders.

Aber ist das auch richtig so? Oder nur realistisch? Lasse ich mich von meinen Rollenvorbildern beeinflussen? Oder ist das Andere einfach nur eine von meinen träumisch-romantischen Fantasien, die in der Wirklichkeit eh nicht bestehen könnten?

Kennt ihr das? Was denkt ihr darüber?

Alles Liebe,

shadow

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Ein Kommentar zu „Zweifel reloaded

  1. Hallo Shadow,

    es ist wirklich schade, dass dein Verlobter dir so wenig Verständnis für deinen Kinderwunsch entgegenbringt. Abstellen kannst du diese Sehnsucht nun mal nicht! Und gerade bei uns Frauen ist es mehr als ein Wunsch, es ist ein Bedürfnis, eine Sehnsucht, die so tief in uns verwurzelt ist, dass sie eher als Trieb bezeichnet werden kann. Für Männer fühlt sich dies meist anders an. Gerade deshalb wünsche ich euch, dass ihr lernt darüber zu kommunizieren, denn es ist schon leichter den Weg gemeinsam zu gehen. Abgesehen davon geht es auch Frauen ohne Depressionen genauso, es ist also nicht auf deine Erkrankung zu schieben, sondern auf deine menschliche Emotionalität. Ich hoffe ihr findet einen Weg! Alles Liebe

    Gefällt 1 Person

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